28.09.2017
Goldrichtig aufbewahrt

Peter Gößwein

In Zeiten geopolitischer Krisen hat Gold Hochkonjunktur. Im Angesicht nordkoreanischer Provokationen ist das gelbe Edelmetall derzeit wieder begehrt. Doch wie lagert man das als krisenfest gelobte Gold als Privatanleger richtig? Vermögensprofi Peter Gösswein, Portfoliomanager und Financial Planner bei der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg, zeigt in seiner Gastkolumne den richtigen Weg auf.

Nordkoreas Präsident provoziert die ganze Welt. Bei einem seiner letzten Raketentests ließ er sogar eine Rakete über Japan hinwegfliegen. Seitdem droht US-Präsident Donald Trump mit präventiver Vergeltung. Eine Auseinandersetzung in Asien scheint möglich. Es passierte das, worauf viele Marktteilnehmer in diesem Jahr schon mehrfach gehofft hatten: Der Goldpreis sprang wieder über die charttechnische wichtige Marke von 1.300 US-Dollar und hat damit das Band zwischen 1.200 und 1.300 US-Dollar verlassen. Dennoch liegt der Preis immer noch weit unter seinen bisherigen Höchstständen. 2011 lag der Preis bei etwa 1.900 US-Dollar.

Physisches Gold genießt insbesondere bei Privatanlegern den Nimbus einer krisenfesten Wertanlage. Dies hat sich seit den Provokationen aus Nordkorea noch verstetigt. Dabei stellt sich für den Großteil der Investoren die Frage, wohin mit dem Gold? Die Möglichkeit, Gold zu Hause aufzubewahren, ist für viele Anleger mangels Tresor keine Alternative. Gold gar im eigenen Garten zu vergraben, könnte beim nächsten Umgraben Probleme mit sich bringen.

Einzig sinnvoll: Das Bankschließfach
Das klassische Bankschließfach ist die einzige sinnvolle Alternative. Ein Schließfach senkt das Risiko, sein Gold durch Feuer oder Diebstahl einzubüßen, erheblich. Allerdings wird durch die reihenweise Schließung von Bankfilialen das Angebot immer knapper. Meist muss man zudem noch Kunde der jeweiligen Filiale sein. Wissen sollten Nutzer eines Bankschließfaches auch, dass der Inhalt bei einem Brand oder Diebstahl in der Regel nur bis zu einem Wert von Euro 20.000 versichert ist. Deshalb ist es bei höheren Werten ratsam, eine Inhaltsversicherung abzuschließen.

Anbieter wie beispielsweise die Ergo, Allianz oder Gothaer bieten spezielle Schließfachversicherungen an. Darüber hinaus besteht bei einigen Versicherern die Möglichkeit, das Bankschließfach in die Hausratversicherung einzubeziehen. Da die Kosten und Bedingungen sehr unterschiedlich sind, sollten diese mit der Bank und der Versicherung vorher abgeklärt werden.

Ist das Gold sicher verwahrt, bleibt die Frage, ob die Bestände ihren Zweck erfüllen, das Vermögen zu bewahren. Anleger sollten sich im Klaren darüber sein, dass die politische Macht immer in der Lage ist, regulierend in den Goldmarkt einzugreifen. Dies war zuletzt in den USA zwischen 1933 bis 1975 der Fall. Der amerikanische Staat führte damals für Gold eine gesetzliche Obergrenze von 100 US-Dollar ein. Goldbestände mussten bei staatlichen Annahmestellen zu einem Festpreis 20,67 US-Dollar pro Unze umgetauscht werden. Wer danach noch größere Goldbestände hatte, konnte sich strafbar machen, und bis 1975 kein Gold in Bargeld tauschen. Inhaber von Schließfächern mussten in Gegenwart von Finanzbeamten ihre Fächer öffnen. Ausgenommen von einer Einlösungspflicht waren nur private Schmuckstücke oder historische Münzen. Das Besitzverbot wurde mit dem Hinweis auf eine bevorstehende Währungskrise begründet.

Aktuell erscheinen solche staatlichen Eingriffe eher unwahrscheinlich. Dennoch sollten Investoren die Geschichte kennen. Einigen Medienberichten zufolge planen europäische Behörden, mit Hinweis auf den Kampf gegen den internationalen Terror, eine zentrale Meldestelle für Bankschließfächer. Dort würden alle Informationen wie Zugangsberechtigungen oder Vollmachten erfasst. Derzeit ist der Inhalt eines Bankschließfaches eine rein private Angelegenheit.
Artikel auf finanzen100.de

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