Wie sich das Milliardengeschäft Olympia auf die Börse auswirkt

Um sportliche Großereignisse wie Fußballweltmeisterschaft oder Olympische Spiele ranken sich auch kommerzielle Interessen. Es profitieren Baukonzerne, Touristikunternehmen, Sportartikelhersteller. Lässt sich daraus eine Aktienstrategie bilden?

Sportliche Großereignisse sind seit geraumer Zeit nicht mehr nur Wettkämpfe von Athletinnen und Athleten, die die Menschen rund um den Globus mehr oder weniger begeistern. Kommerzielle Interessen scheinen in den Vordergrund getreten zu sein, ob bei Fußballwelt- oder Europameisterschaften, beim Super Bowl oder bei Olympischen Spielen. Davon profitieren Baukonzerne ebenso wie Touristikunternehmen und Sportartikler. Daraus müsste sich doch eine Aktienstrategie bilden lassen, oder?

In diesem Jahr finden nun wieder Olympische Sommerspiele statt. Die Sport-Elite zieht es in die Stadt der Liebe, nach Paris. Dort wird tief in die Tasche gegriffen, um ein „nachhaltiges olympisches Dorf“ zu schaffen. Es soll nach den Spielen sinnvoll weitergenutzt werden und das bisherige „Armenviertel“ Seine-Saint-Denis langfristig aufwerten. Viel Geld floss nicht nur in den Bau von Wohnungen und Sportstätten, sondern auch in den öffentlichen Nahverkehr und die übrige Infrastruktur.

Doch wer profitiert nun wirtschaftlich am meisten vom olympischen Gigantismus? Schöpft die Baubranche den Rahm ab, sind es die Sportartikelhersteller oder der Tourismus?

Frankreichs Leitindex läuft fernab der Medaillenränge

Im Gastgeberland lässt sich an den Aktienmärkten bis dato kein genereller Boom erkennen. Der französische Leitindex CAC 40 entwickelt sich in diesem Jahr (ca. +5%) weitestgehend wie der weltweite Aktienmarkt (MSCI World). Im Zeitraum seit der Vergabe der Spiele (13.09.2017 / +52%) hinkt er dem Weltindex (+68%) sogar hinterher. Die Aktionäre der großen französischen Baukonzerne mussten teils gar Verluste hinnehmen.

Die globalen Touristikkonzerne schnitten mit einem gewissen „Buchungsvorlauf“ ab Anfang 2023 teilweise deutlich besser ab als die o.g. Indizes. Dies ist jedoch sicherlich nicht nur auf einen Olympiaboom zurückzuführen.

Ein heterogenes Bild zeigt sich bei den Sportartikelgiganten. In diesem Jahr schnitten die großen Drei deutlich schlechter als die Vergleichsindizes ab. Nur der Kurs des deutschen Branchenprimus‘ entwickelte sich seit Anfang 2023 besser. Die Konkurrenz liegt im gleichen Zeitraum jedoch klar im negativen Bereich.

Drei Branchen profitieren am meisten

Schon bei den vergangenen drei Sommerspielen gab es keine einheitlichen Tendenzen. Im Olympia- und Pandemiejahr 2021 entwickelte sich der Nikkei (Tokio 2021) wesentlich schlechter als die globale Benchmark. Der brasilianische Leitindex Bovespa (Rio de Janeiro 2016) konnte den Weltindex spektakulär outperformen. Der FTSE 100 (London 2012) wiederum hinkte dem MSCI World spürbar hinterher.

Auf Branchenebene ergibt sich ein noch heterogeneres Bild: Touristikaktien entwickelten sich in London 2012 hervorragend, in Rio 2016 deutlich schlechter als der Heimatindex und in Tokio 2021 extrem unterschiedlich. Letzteres galt für die Aktien von Sportartikelherstellern bei allen drei Ereignissen, ebenso wie für die „Bauaktien“ der Gastgeberländer.

Sportliche Großereignisse beflügeln die wirtschaftliche Entwicklung in den austragenden Nationen und in gewissen Branchen. An den Börsen lässt sich das leider nicht unbedingt ablesen. Bevor man also versucht, einer olympiaspezifischen Überrendite auf die Spur zu kommen, ist es ratsamer, selbst sportlich aktiv zu werden und die Olympischen Spiele als Zuschauer zu genießen.

 

Mit sportlichen Grüßen!

Über den Autor

Seit mehr als 30 Jahren fühlt sich Udo Rieder dem Wertpapiergeschäft verbunden. Der Ausbildung bei der Deutschen Bank AG in Nürnberg folgten Einsätze als Investmentmanager in Lübeck und Genf, wo er das internationale Geschäft sehr wohlhabender Klienten betreute. Seine Rückkehr nach Deutschland führte ihn über die Leitung der Vermögensverwaltung für Nordbayern hin zur Verantwortung für die Investmentmanager im neu gegründeten Geschäftsbereich Private Wealth Management. Im Jahr 2008 ist er zur UBS Deutschland AG gewechselt, um die neu zu eröffnende Niederlassung Nürnberg mit aufzubauen. Seine berufliche Tätigkeit wurde flankiert von berufsbegleitenden Studien an der Bankakademie und der European Business School. Zudem ist er zertifizierter Eurex-Anlageberater. Im Januar 2015 trat Herr Rieder als Gesellschafter der KSW bei, um seine Kunden als Portfoliomanager weiterhin individuell zu betreuen.