Welchen Preis hat unser Klima?

Der Klimawandel wird rund um den Globus immer greif- und spürbarer. Ein zentrales Mittel im Kampf gegen die ­drohende ­Katastrophe ist die Ausgabe und der Handel von CO2-Emissionsrechten.Längst hat die ­Finanzindustrie darauf reagiert und Investmentprodukte geschaffen, die die Entwicklung des CO2-Preises ­spiegeln. Private Anleger können damit ihr Depot weiter ­diversifizieren.

Bislang ereigneten sich Umweltkatastrophen gefühlt immer am anderen Ende der Welt. Buschbrände? Australien! Hurricanes? Vereinigte Staaten! Hochwasser? Okay, ab und zu in Köln und in Passau und … Und wenn es in Deutschland ein bisschen wärmer wird, dann ist das ja auch gar nicht so schlimm, oder? Spätestens jedoch seit diesem Sommer sollte auch der letzte Zweifler realisiert haben, dass der Klimawandel real und bei uns angekommen ist. Wenn sich selbst die Parteien, deren ursprüngliche DNA nicht unbedingt der Umweltschutz ist, rhetorisch darin überbieten, das Problem nun ernsthaft anzugehen, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat.

Zur Ehrenrettung sei angeführt, dass es nicht erst seit „Fridays for Future“ ernsthafte Bemühungen gibt, dem Klimawandel entgegenzutreten. Mit dem Kyoto-Protokoll (1997) und dem Pariser Klimaabkommen (2015) hat die Staatengemeinschaft der Erderwärmung schon vor Jahren den Kampf angesagt. Ob die Ziele ambitioniert genug sind, mögen andere beurteilen.

Emissionsrechtehandel als Anreiz

Um die vom Menschen gemachte Klimakatastrophe zu bekämpfen, soll in erster Linie der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen massiv reduziert werden. In unserer stark industrialisierten Welt ist dies jedoch nicht von heute auf morgen realisierbar. Der Aufwand, um die staatlich vorgegebenen Reduktionsziele zu erreichen, unterscheidet sich deutlich zwischen den verschiedenen Branchen und Produktionssparten. Als Anreiz wurde in vielen Staaten ein Handelssystem für Emissionsrechte etabliert. Umweltsünder, die Ihre Ziele nicht erreichen, müssen z.B. CO2-Zertifikate zukaufen, während die „Blauen Engel“ entsprechende Gewinne durch den Verkauf nicht benötigter Zertifikate erzielen können. Der Druck wird umso größer, je weniger Emissionsrechte im Zeitverlauf durch die Staaten vergeben werden. Die EU hat erst kürzlich die Zielvorgaben zur CO2-Reduzierung verschärft.

Lange Zeit war der Emissionsrechtehandel institutionellen Investoren vorbehalten. Dann jedoch begann die Finanzindustrie, Produkte zu emittieren, die den Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid zum gegenwärtigen Zeitpunkt oder in der Zukunft (Termingeschäfte) widerspiegeln. So entstand eine alternative Anlageklasse, die auch für Privatinvestoren interessant sein kann. Zum einen bieten die Produkte eine gute Diversifikation zu anderen Anlageklassen, zum anderen eröffnen sie ein attraktives Renditepotenzial. Schließlich emittieren die Staaten immer weniger CO2-Zertifikate, um so die Klimaziele zu erreichen.

Dass die Entwicklung des Preises für den CO2-Ausstoß keine Einbahnstraße himmelwärts ist, hat die Vergangenheit gezeigt. Von Oktober 2011 bis Februar 2018 hat man als Investor nichts verdient, musste zwischenzeitlich aber deutliche Rücksetzer akzeptieren. Erst danach stieg der Preis für eine Tonne CO2 von ca. 10 Euro unter teilweise heftigen Schwankungen bis zuletzt fast 60 Euro.

Politik beeinflusst den CO2-Preis

Der Logik, dass ein knapper werdendes Gut im Wert steigen muss, steht entgegen, dass die Politik gegebenenfalls korrigierend eingreift. So könnten Unternehmen drohen, wegen einer zu großen finanziellen „Klima-Last“ müssten sie Arbeitsplätze abbauen oder Preise massiv erhöhen. Einige Staaten würden dann wohl gegensteuern, indem sie bei der nächsten Auktion mehr Emissionsrechte zuteilen. Der Preis würde entsprechend sinken.

Zu bedenken ist auch, dass seit geraumer Zeit daran geforscht wird, das Abgas Kohlendioxid in einen wertvollen Rohstoff zu verwandeln. Sollte hier der Durchbruch noch vor Erreichen der angestrebten CO2-Neutralität gelingen, dann würden die Preise für CO2-Zertifikate wohl implodieren.

Wer den Klimaschutz unterstützen und dabei die Chance auf attraktive Renditen wahren will, findet bei zwei Emissionshäusern eine Auswahl an Zertifikaten, teilweise auch gehebelt. Und wer lieber via Sondervermögen investieren mag: ein ETF-Anbieter steht schon in den Startlöchern und bringt voraussichtlich in wenigen Wochen eine entsprechende Investmentmöglichkeit auf den Markt.

Über den Autor

Seit mehr als 30 Jahren fühlt sich Udo Rieder dem Wertpapiergeschäft verbunden. Der Ausbildung bei der Deutschen Bank AG in Nürnberg folgten Einsätze als Investmentmanager in Lübeck und Genf, wo er das internationale Geschäft sehr wohlhabender Klienten betreute. Seine Rückkehr nach Deutschland führte ihn über die Leitung der Vermögensverwaltung für Nordbayern hin zur Verantwortung für die Investmentmanager im neu gegründeten Geschäftsbereich Private Wealth Management. Im Jahr 2008 ist er zur UBS Deutschland AG gewechselt, um die neu zu eröffnende Niederlassung Nürnberg mit aufzubauen. Seine berufliche Tätigkeit wurde flankiert von berufsbegleitenden Studien an der Bankakademie und der European Business School. Zudem ist er zertifizierter Eurex-Anlageberater. Im Januar 2015 trat Herr Rieder als Gesellschafter der KSW bei, um seine Kunden als Portfoliomanager weiterhin individuell zu betreuen.