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Welt am Sonntag: „Der Anleihe-Bär erwacht“

Unsere Kollegin und Portfoliomanagerin Stefanie Dyballa zitiert im Artikel von Daniel Eckert in der Welt am Sonntag vom 13. September.

 

Am Anleihemarkt ist eine Ära zu Ende gegangen. Vier Jahrzehnte lang kannten die Zinsen im Wesentlichen nur eine Richtung: nach unten. Für Anleger bedeutete das nicht nur sinkende Finanzierungskosten, sondern über lange Zeit auch steigende Kurse bestehender Anleihen. Diese scheinbare Selbstverständlichkeit ist vorbei. Nun erleben Staatsanleihen einen anhaltenden Bärenmarkt. Eine Entwicklung, die für viele Marktteilnehmer ungewohnt ist. Eine vergleichbare Phase gab es zuletzt Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre, als die hohe Inflation die Zinsen auf zweistellige Niveaus trieb.

Auch heute sind steigende Zinsen und fallende Anleihekurse eng miteinander verbunden. Wer neue Anleihen mit höheren Zinsen kaufen kann, findet ältere Papiere mit niedrigen Kupons zunehmend unattraktiv. Ein Beispiel aus Deutschland zeigt die Dimension: Eine vor gut vier Jahren erworbene zehnjährige Bundesanleihe brachte lediglich 1,7 Prozent Zins, während vergleichbare Bundesanleihen heute rund 3,5 Prozent abwerfen. Entsprechend deutlich ist der Kurs des älteren Papiers gefallen.

Hinter der neuen Zinswelt stehen vor allem zwei Entwicklungen: Die Inflation wird nicht mehr als kurzfristiges Phänomen betrachtet, und Anleger verlangen angesichts der hohen Staatsverschuldung einen größeren Risikoausgleich. Gleichzeitig steigt der Kapitalbedarf der Staaten, während große Technologiekonzerne Milliarden für den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur finanzieren müssen. Der Wettbewerb um Kapital könnte den Druck auf die Zinsen weiter erhöhen. Damit scheint die Vorstellung dauerhaft niedriger oder gar negativer Zinsen endgültig ausgedient zu haben.

Für Anleger ist der Renten-Bärenmarkt jedoch nicht nur eine Bedrohung, sondern eröffnet neue Möglichkeiten. Wer gezielt auf fallende Anleihekurse setzen will, kann inverse Produkte einsetzen. „Eine Möglichkeit ist die Investition in einen Short-ETP, beispielsweise auf den Euro-Bund-Future“, sagt Stefanie Dyballa. „Sinkt der Kurs der zugrunde liegenden deutschen Staatsanleihen, steigt der Wert des inversen ETPs spiegelverkehrt.“ Doch die Wette gegen den Rentenmarkt hat ihren Preis: Hebelwirkung, Rollkosten und weitere Besonderheiten machen solche Produkte vor allem für kurzfristige taktische Einsätze interessant, nicht für den langfristigen Vermögensaufbau.

Die attraktivere Strategie für viele Anleger könnte deshalb weniger spektakulär sein: Risiken reduzieren und die höheren Zinsen nutzen. Kurze Laufzeiten und Geldmarktanlagen bieten inzwischen wieder ordentliche Renditen, ohne das hohe Kursrisiko langlaufender Anleihen. Auch Floater rücken in den Fokus: Ihre Verzinsung passt sich regelmäßig an das Marktzinsniveau an und kann damit von dauerhaft höheren Zinsen profitieren. Die neue Rentenwelt verlangt vor allem eines: Flexibilität. Was für Besitzer alter Niedrigzinsanleihen schmerzhaft ist, kann für Anleger beim Vermögensaufbau zum Vorteil werden, denn endlich liefern solide Anleihen wieder Erträge, die diesen Namen verdienen.

Diese Informationen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar.

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