09.10.2018
Taumelnder Goldpreis: Kaufen, bevor die Leerverkäufer es tun müssen

Manfred Rath

Trotz immer neuer Krisen und Risikofaktoren steigt der Goldpreis nicht. Tatsächlich hat sich die Krisenwährung zuletzt merklich verbilligt. Doch das kann ausgerechnet wegen der übertrieben negativen Stimmung zum Edelmetall nicht lange so bleiben.

Gold hat offensichtlich als Krisenwährung ausgedient. Obwohl die weltweiten Spannungen eher immer weiter zunehmen, ist der Goldpreis seit seinem Zwischenhoch im Frühjahr 2018 um über zehn Prozent gefallen. Weder von den niedrigen Zinsen in Europa noch von den Turbulenzen an den Aktienmärkten konnte das Edelmetall bisher profitieren.

Immer wieder machen Gerüchte die Runde, der Goldpreis sei manipuliert. Ein Beweis dafür fehlt allerdings. Sicher ist, dass die die Notenbanken kein Interesse an einem stark steigenden Goldpreis haben, da dies eine Schwächung des Papiergelds bedeuten würde. Wenn die Anleger Gold kaufen, verwenden sie zwangläufig dafür Geld. Dieses ist dann dem Zugriff der Notenbanken entzogen.

Stimmung übertrieben pessimistisch
Auffällig ist, dass die Zahl der Short-Wetten an den Terminbörsen die offenen Kontrakte auf steigende Goldkurse in einem nie da gewesenen Verhältnis übersteigt. Dies deutet auf starke Aktivitäten der Hedgefonds hin, die auf einen weiter fallenden Preis wetten. Hinzu kommen massive Abflüsse bei den physisch gedeckten Gold-ETFs. Sowohl die wieder halbwegs attraktiven Zinsen der US-Staatsanleihen, als auch der deutlich erstarkte US-Dollar trugen sicher dazu bei.

Die Stimmung im Goldlager scheint übertrieben pessimistisch. Denn es spricht einiges für das Edelmetall. Derzeit wird etwa die weltweite Verschuldung völlig außer Acht gelassen. Die amerikanischen Schulden wachsen derzeit mit über sechs Prozent pro Jahr und liegen mit über 21 Billionen US-Dollar längst über dem erzielten Bruttosozialprodukt.

In Europa jubelte die Europäische Union zwar kurz, weil Griechenland aus dem Rettungsschirm entlassen werden konnte. Doch das Problem ist nicht gelöst. Zwar kann der gebeutete Staat in den nächsten zwei Jahren mit den 24 Milliarden Euro aus Hilfskrediten und den zurückgelegten eigenen Mitteln seine Ausgaben bestreiten, doch danach wird die Schuldenlast wieder deutlich aufs Gemüt drücken. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet sowieso früher oder später mit einem Schuldenschnitt für Griechenland.

Wie lange hält das Vertrauen in Papiergeld an?
Mit Italien steht das nächste Schuldenproblem an. Mit über 130 Prozent des Bruttosozialprodukts hat die Staatsverschuldung den Punkt der langfristigen Bedienbarkeit schon seit Längerem überschritten. Wäre die Europäische Zentralbank als Käufer nicht ständig unterwegs, stünden die Zinsen wohl schon wesentlich höher als bei den gut drei Prozent, die derzeit für zehnjährige Bonds aus Italien zu erzielen sind. Das sind über zweieinhalb Prozentpunkte mehr als Anleger in Deutschland bekommen und mehr als das Doppelte, was Spanien an den Kapitalmärkten für seine Anleihen bezahlen muss. Gut zehn Prozent der 2,3 Billionen Euro Schulden der Italiener liegen bei den vier größten italienischen Finanzinstituten – als ob die Bankenkrise dort nicht schon groß genug wäre.

Daneben gibt es mit Argentinien, der Türkei und Venezuela weitere prominente Länder mit Währungskrisen. Die Frage lautet, wie lange angesichts dieser Hintergründe das Vertrauen in das Papiergeldsystem anhält.

Sollte das Vertrauen schwinden, wird Gold die einzige Alternative sein. Auf mittlere und längere Sicht bleibt Gold damit ein attraktives Wertaufbewahrungsmittel und eine kluge Absicherung gegen die Risiken des globalen Finanzsystems. Für einen kurzfristigen Kurssprung gäbe es genug Sprengstoff. Anleger sollten kaufen, solange die Preise niedrig sind. Denn irgendwann werden sich die Leerverkäufer eindecken müssen.
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