01.10.2018
So machen Sie mehr aus Ihrem Geld

Manfred Rath

Jeder möchte ohne finanzielle Sorgen leben. Um die eigene Geldanlage wollen sich aber nur wenige kümmern. Der Geld-Check von WELT und V-Bank hilft dabei, das eigene Depot besser aufzustellen.

Da sage noch jemand, die Politiker in Berlin hätten sich von der Masse der Bevölkerung zu weit entfernt. Beim Umgang mit den eigenen Ersparnissen gilt das nicht. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) räumte unlängst ein, dass er es privat bei der Geldanlage so mache, „wie man es eigentlich nicht machen soll“.

Er habe sein Geld auf dem Bankkonto, wo es keine Zinsen bringt. Auch Kabinetts- und Parteikollegin Katarina Barley setzt unerschrocken auf Zinsprodukte, nicht auf Aktien, nicht auf Fonds. „Ich habe weder die Zeit noch die Lust, mich mit Geldanlage intensiv zu befassen.“ Da sei sie, wie sie glaube, eine „sehr normale Gesprächspartnerin“.

Schnell muss es gehen, nur nicht allzu lange mit dem unliebsamen Thema Finanzen beschäftigen. Dieses Verhalten ist in der Tat sehr weit verbreitet. Wird Geld aus einem Sparbrief oder auf dem Festgeldkonto frei, kauft man halt irgendetwas – der Berater in der Filiale wird schon etwas auf seiner Empfehlungsliste haben oder es gibt einen Tipp vom Bekannten im Sportverein. Ob das sinnvoll für den langfristigen Vermögensaufbau ist, wird selten bedacht.

Die Deutschen misstrauen dem Kapitalmarkt
Der Geld-Check, den WELT AM SONNTAG zusammen mit der V-Bank anbietet, zeigt Jahr für Jahr, welch eine Unordnung bei den Ersparnissen oft herrscht. Bis zum 15. November können Leser eine Aufstellung ihrer Konten und Wertpapiere einreichen und von einem unabhängigen Vermögensverwalter kostenlos analysieren lassen.

Laut einer Auswertung der Deutschen Bundesbank hat der deutsche Durchschnittshaushalt rund 40 Prozent seiner Ersparnisse auf schlecht verzinsten Konten und Sparbüchern. Weitere 40 Prozent sind Ansprüche aus Lebensversicherungen, von denen nur jene mit hohen Garantieversprechen noch ordentliche Renditen bringen. Lediglich 20 Prozent werden in Aktien, Anleihen und Fonds gehalten, die gewinnträchtiger wären.

Die Verteilung führte zuletzt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Ersparnisse verloren an Wert, die erzielte Rendite reichte nicht einmal mehr, um die anziehende Inflation auszugleichen. „Grundsätzlich sollten Investitionen nach Abzug der Inflationsrate eine positive Rendite erzielen, um das Vermögen zu erhalten“, sagt Vermögensverwalter Titus Schlösser von Portfolio Concept.

Wer nichts wagt, kann auch nichts gewinnen
Die aktuelle Hürde liegt bei 2,3 Prozent. Um diesen Prozentwert erhöhten sich die Verbraucherpreise im September gegenüber dem Vorjahresmonat. Wer mit seinen Ersparnissen eine geringere Rendite erwirtschaftet, muss sich also darüber im Klaren sein, dass er sich angesichts höherer Preise mit seinem Geld in Zukunft weniger leisten kann – ganz gleich, ob das Vermögen später für Wohnen, Pflege oder Reisen ausgegeben werden soll.

Deshalb reicht es nicht aus, Geld nur auf einem Konto zu parken. Die üblichen Finanzprodukte mit Festzinsen mögen für viele Menschen der einfache Anlageweg sein – das Geld bleibt wenigstens vom Betrag her erhalten. Doch Chancen auf höhere Renditen gibt es an den Kapitalmärkten eben nur mit höherem Risiko.

Wie das Wort Risiko schon sagt, kann die Anlage in Aktien natürlich schiefgehen. Doch über Zeiträume von 15 Jahren hat die Vergangenheit stets gezeigt, dass Verluste selbst bei einem Kauf zum ungünstigsten Einstiegszeitpunkt kurz vor einem Börseneinbruch wieder ausgeglichen werden. Hinzu kommt: Der Aufruf, seine Ersparnisse auch an der Börse zu investieren, bedeutet nicht, alle Ersparnisse an der Börse zu investieren. Auf eine gute Mischung kommt es an.

Hoher Aktienanteil – auch im Alter
Gerade wenn es um den passenden Aktienanteil im Depot geht, verändern die dauerhaft niedrigen Zinsen eine Grundregel, die über Beratergenerationen hinweg weitergegeben wurde. „Die alte Faustformel ‚100 minus Lebensalter‘ für den Aktienanteil im Depot passt nicht mehr, denn es fehlt an guten Alternativen“, sagt Manfred Rath von der KSW Vermögensverwaltung.

War ein 60-Jähriger früher mit einem Aktienanteil von 40 Prozent gut bedient, müsse er heute mehr in Dividendenpapiere anlegen, um auf eine ordentliche Gesamtrendite für sein Portfolio zu kommen. Die natürlichen Alternativen Anleihen und Cash werfen seit langem zu wenig ab.

Rath führt in diesem Zusammenhang noch ein weiteres Argument an, das für einen höheren Aktienanteil auch im Alter spricht: das Sparmotiv. „Viele Menschen wollen an ihre Ersparnisse gar nicht ran, sondern möglichst viel Geld an die nächste Generation vererben“, sagt er. Dort, wo abzusehen ist, dass das Geld locker bis zum Lebensende reicht, darf also selbst das Depot eines 80-Jährigen noch recht riskant aufgestellt sein – zwischenzeitliche Schwankungen an den Börsen können auch dann noch ausgeglichen werden, wenn die Wertpapiere bereits im Depot des Erben liegen.


„Man kauft, was man kennt“
Ein Fehler, der häufig gemacht wird, verbirgt sich hinter dem Wort Klumpenrisiko. Depots weisen häufig eine Schlagseite bei den Herstellern der gekauften Finanzprodukte auf. „Wer zu mir kommt, muss nicht sagen, bei welcher Bank er bislang war, ein Blick ins Depot reicht“, sagt Vermögensverwalter Hans Heinrich Meller von Finum Private Finance.

Bei der Deutschen Bank seien die Depots voll mit Fonds der Tochter DWS, bei den Sparkassen mit Deka Fonds und bei den Volksbanken mit Produkten von Union Investment. „Daran hat sich trotz aller Beteuerungen der Banken nichts geändert, eine neutrale Beratung sieht anders aus“, so Meller. Es werden weiter besonders gern hauseigene Produkte verkauft, mit denen lässt sich schließlich am meisten verdienen. Dabei ist klar, dass die Investmentprodukte eines Anbieters nicht in allen Kategorien die besten am Markt sein können.

Eine andere immer wieder zu beobachtende Schlagseite in Depots bezieht sich auf die Regionen, in die das Geld fließt. Deutsche investieren gerne in deutsche Werte, ob es einzelne Aktien deutscher Unternehmen sind oder Fonds mit Schwerpunkt Deutschland. „Man kauft, was man kennt“, sagt Rath.

Psychologische Falle bei der Depot-Neuordnung
Viele Kunden identifizierten sich mit den Vorzeigekonzernen der deutschen Wirtschaft und glaubten, dass diese besonders gut seien. Dass dies nicht immer stimme, hätten in den vergangenen Jahren beispielsweise die Banken und Autobauer gezeigt.

Bei der Deutschlandliebe wird zudem oft vergessen, dass man mit einer starken Aktienanlage im eigenen Land sein Risiko auch deshalb stark vergrößert, weil man ebenfalls den Job in Deutschland hat. Geht’s der Wirtschaft schlecht, verliert man unter Umständen die Arbeit und gleichzeitig sinkt auch noch der Wert des eigenen Depots. Job weg, Geld weg. Das Klumpenrisiko ist derart groß, dass man sein Geld besser über die Landesgrenzen hinaus streut.

Geht es um die Neuordnung eines Wertpapierdepots, kann sich auch noch eine psychologische Falle öffnen. Manch Anleger kann sich von schlecht laufenden Fonds oder Aktien einfach nicht trennen. Solange das Wertpapier noch im Depot liegt, ist der Verlust nicht realisiert und damit quasi nicht da, denkt er.

Kleine Verwalter helfen beim Durchblick
Sich von Anlagen zu trennen, die im Plus liegen, fällt ihm sehr viel leichter. Rational wäre, sich bei jedem Blick ins Depot zu fragen, ob man diesen oder jenen Wert heute noch einmal kaufen würde. Lautet die Antwort Nein, gibt es unabhängig des bisherigen Kursverlaufs nur eine Reaktion: verkaufen.

Wer sich nicht zutraut, selbst Ordnung in seine Geldanlage zu bringen, hat die Wahl zwischen Beratern bei Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern. Nun ist es nicht so, dass kleine Vermögensverwalter mit ein paar Hundert Kunden besser wüssten, wie sich Aktien, Anleihen und der Euro in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln, als die Berater der großen Banken mit vielen Tausend Kunden.

Doch sie haben häufig einen unverstellteren Blick auf ein Depot, da sie selbst keine Fonds oder Zertifikate auflegen und nicht von den Herstellern dieser Produkte bezahlt werden, sondern direkt vom Kunden. Pro Jahr kostet der Rat eines solchen Verwalters im Mittel ein Prozent des Depotvolumens.

Das Ruhestandsdepot: 800.000 Euro
Der Fall: Ein 60-jähriger Architekt, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, verfügt über ein 800.000-Euro-Depot. Einen Teil davon hat er von seinem Vater geerbt. Das Vermögen steckt zu 97 Prozent in Aktien, fast alle sind von deutschen Unternehmen. Dazu gehören die Titel der großen Automobilhersteller und Banken. Der Anleger aus Franken will sichergehen, dass das Vermögen in seiner Substanz erhalten bleibt, regelmäßige Ausschüttungen in Form von Zinsen und Dividenden aber für den Ruhestand zur Verfügung stehen. Der Freiberufler hatte sich neben dem Wertpapierdepot auch noch eine Rentenversorgung aufgebaut.

Die Analyse: Das Risiko im Depot ist durch die einseitige Ausrichtung auf Aktien sehr hoch, noch dazu, weil die Papiere aus nur einem Land kommen. „Vor dem Hintergrund des nahenden Ruhestands bestand die Aufgabenstellung darin, das Portfolio ausgewogener aufzustellen“, sagt Manfred Rath von der KSW Vermögensverwaltung.

Die Lösung: Der Aktienanteil im Depot wurde von 97 Prozent auf 58 Prozent heruntergefahren. Dafür nahm Vermögensverwalter Rath Unternehmensanleihen mit auf, die etwas mehr Rendite bringen als Staatsanleihen. Auch Alternative Investments kamen ins Depot, darunter sogenannte Total Return Fonds, die sich weitgehend unabhängig von den Börsen entwickeln. „Diese weitgehend schwankungsunabhängigen Wertpapiere sollen mögliche Rückschläge der Aktienmärkte ausbalancieren sowie für regelmäßige Erträge sorgen“, sagt Rath.

Auch die geografische Verteilung änderte er: Der Aktienanteil Deutschland wurde von 81 Prozent auf 13 Prozent reduziert. Dafür wurden Fonds, gerne günstige Indexprodukte mit Anlageschwerpunkten Europa, USA und Schwellenländer gekauft. Zur Risikodämpfung sollen auch die Anleihen in fremder Währung beitragen, wie Norwegische Krone, Schweizer Franken und Australischer Dollar. Als Versicherung gegen größere Marktverwerfungen sind die fünf Prozent Gold anzusehen. Ein Cash-Anteil ist nicht vorgesehen. Im Notfall werden Wertpapiere verkauft.
Artikel auf WELT

Zurück zur vorherigen Seite