07.09.2018
Der gefährliche Anleiheausverkauf der FED

Wolfgang Köbler

Die amerikanische Notenbank FED beginnt damit, ihre seit Beginn der Finanzkrise aufgekauften Staats- und Immobilienanleihen abzubauen. Sollte sie das zu schnell angehen, würde das für die Finanzmärkte nicht ohne Folgen bleiben.
In den vergangenen Jahren gab die FED jeden Monat bis zu 85 Milliarden US-Dollar für Anleihekäufe aus. Das drückte die Renditen auf ein historisches Tief und ließ die Bilanzsumme der FED zwischen 2008 und 2014 bis auf 4,5 Billionen US-Dollar anschwellen. Das war vier Mal so viel wie vor der Finanzkrise. Der Verkauf der Papiere scheint die Marktteilnehmer allerdings nicht zu verunsichern. Sie gehen davon aus, dass der Umkehrprozess nur geringe Auswirkungen auf das globale Finanzsystem haben wird. Wir teilen diese Meinung nicht. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt seit geraumer Zeit davor, dass die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems größer sind, als von der FED zugegeben.

Ein Problem: Wer kauft die fällig werdenden Staatsanleihen, wenn die FED sie nicht mehr will? Und wer kauft die neuen US-Staatspapiere, die zur Gegenfinanzierung der von Donald Trump angestoßenen Steuerreform auf den Markt kommen werden? Der Ausstieg der FED kann nur gelingen, wenn das Ausland die Anleihen absorbiert. Doch ob dies bei der nicht gerade verlässlichen Außenpolitik Donald Trumps gelingen kann, bleibt offen. Angesichts der US-Strafzölle drohte China als größter Gläubiger der USA bereits Anfang des Jahres damit, ebenfalls US-Staatsanleihen zu verkaufen.

Ein weiteres Problem, das in der Diskussion kaum beachtet wird, sind die historisch hohen Überschussreserven der FED. Sie machen derzeit rund die Hälfte der Passivseite der Bilanz aus. Diese Gelder können von den Geschäftsbanken als Kredite vergeben werden. Durch die Tatsache schärferer Regulierung und einer zögerlichen Konjunkturerholung wurde die Kreditnachfrage bis dato eher begrenzt. Dies muss aber nicht so bleiben. Es ist daher nicht auszuschließen, dass eben diese derzeit historisch hohen Überschussreserven sowohl einen Anstieg der Kreditnachfrage als auch des Kreditangebotes auslösen. Durch die relativ stabile Konjunktur können die Geldumlaufgeschwindigkeit und der Geldmengenmultiplikator wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehren. Dies kann genauso überraschend eintreten, wie der schlagartige Rückgang im Verlauf des Jahres 2008.

Durch den Bilanzabbau der FED erhöht sich das Risiko, dass die Geschäftsbanken vermehrt und schneller Kredite vergeben. Das kann die bereits überdurchschnittlich gut laufende US-Wirtschaft weiter anheizen und die Inflationserwartungen weiter in die Höhe treiben. Die Auswirkungen haben wir bereits im Februar 2018 gesehen, als die US-Zinsen gestiegen und die Aktienkurse deutlich zurückgegangen sind. Sollte während des Bilanzabbaus die Preisentwicklung zunehmen und die FED gezwungen sein, die Zinsen weiter anzuheben, könnte sie damit eine neue Rezession auslösen. Diese Aussicht verunsichert die Märkte. Ein kurzfristiger Trendbruch der positiven Aktienjahre ist bereits eingetreten.

Die Marktteilnehmer sollten sich darauf einstellen, dass die Zentralbanken – allen voran die FED – ihren restriktiven Kurs beibehalten werden. Die Zeiten extrem billigen Geldes sind vorerst vorüber.
Artikel auf finanzen100.de

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