03.04.2017
Emerging Markets fürs Alter

Ralph Spitz

Kein Risiko bei der Altersvorsorge. Das ist das Credo der meisten Verbraucherzentralen und Altersvorsorgeanbieter. Diese Vorsicht reißt oftmals ein großes Loch in die Altersreserven. Denn absolut sichere Anlagen bringen keine Rendite. Die ist jedoch wichtig für die Altersvorsorge.

Schon kleine jährliche Renditeunterschiede wirken sich langfristig enorm auf den Betrag aus, den man im Alter zur Verfügung hat. Bereits zwei Prozent mehr Rendite bedeuten nach 20 Jahren eine einen Zugewinn von über 60 Prozent. Finden lassen sich solche Anlagen, die mehr Rendite erwirtschaften, etwa in den Schwellenländern (Emerging Markets). Selbst konservative Versicherungsgesellschaften mischen deshalb Schwellenländer-Anlagen ihrem Portfolio bei, um schwindende Renditen auszugleichen.

Emerging Markets Aktien
In den vergangenen Jahren entwickelten sich Aktien aus den Schwellenländern meist schlechter als die weltweiten Aktienindizes. Im vergangenen Jahr allerdings schnitten die Aktien wieder wesentlich besser ab. Darüber hinaus sehen wir weiteres Aufholpotenzial. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI Emerging Markets liegt aktuell bei etwa 15 wohingegen das des Welt-Index bei 22 notiert. Die Dividendenrendite des MSCI EM Index lag laut MSCI Ende Februar 2017 bei 2,53%.

Die globalen Zinssätze dürften in den kommenden Jahren niedrig bleiben und so reichlich Liquidität in die Schwellenländer umleiten. Betrachtet man die letzten 20 Jahre, kamen im Durchschnitt 9 der 10 Top-Aktienmärkte aus den Emerging oder Frontier Markets. Auf lange Sicht sollte man sich mit einer Beimischung von Emerging-Markets-Aktien im Portfolio einen soliden Renditevorsprung für die Altersvorsorge erarbeiten. Aufgrund der höheren Volatilität dieser Aktien spielt jedoch die Zeit eine entscheidende Rolle. Einen Anlagehorizont von 10-20 Jahren sollte man mindestens berücksichtigen.

Emerging Markets Renten
Wer es defensiver angehen möchte, kann in Anleihen aus Schwellenländern investieren. Diese hatten im vergangenen Jahr gerade erst mit einer Erholung begonnen, als die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und die damit einhergehenden Befürchtungen einer Abkehr von der Globalisierung für erneute Zurückhaltung sorgten. Für die Länder spricht vor allem, dass die Emerging Marktes im Durchschnitt mit gerade mal etwa 35 Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsproduktes verschuldet sind. Der EU-Durchschnitt liegt bei über 80 Prozent.

Wer etwas weniger Schwankung bevorzugt, sollte auf Dollar-Anleihen dieser Regionen setzen, da diese meist besser handelbar sind. Noch mehr Rendite lässt sich mit dem Kauf von Anleihen in den jeweiligen Landeswährungen erzielen. Dem Vorteil einer größeren Währungsdiversifikation im Portfolio steht dabei jedoch ein höheres Risiko gegenüber.

Richtig investieren
Ein moderater Anteil von 10 bis 20 Prozent im Portfolio aus Anlagen der Emerging Markets sollte langfristig die Rendite der persönlichen Altersvorsorge nennenswert erhöhen können. Zudem sorgt die Investition für eine breitere Streuung und ist damit eine gute Ergänzung der klassischen Altersvorsorge. Grundsätzlich bevorzugen wir damit Aktien aus den Schwellenländern, da diese langfristig am meisten vom höheren Wirtschaftswachstum profitieren werden. Im Sinne einer gesunden Mischung sollten aber auch andere Assetklassen zum Einsatz kommen.

Aufgrund der höheren Schwankungen sowie der teilweise drastischen Unterschiede innerhalb der Emerging-Markets-Länder empfiehlt es sich, sowohl im Rentenbereich als auch im Aktienbereich, über aktiv gemanagte Fonds zu investieren. Meiner Meinung nach sollte man hier auf die Expertise von Anlageteams zurückgreifen, welche sich vor Ort ein Bild über die politische Entwicklung und vor allem die Stabilität der Währung machen können.

HINTERGRUND
Der Begriff Emerging Markets leitet sich ab von dem englischen Verb to emerge, was so viel bedeutet wie aufkommen, aufstreben, herausragen oder bekannt werden. Letztendlich also jene Schwellenländermärkte, die auf dem Weg sind, sich von einem Entwicklungsland hin zu einem modernen Industrieland zu entwickeln. Darunter fallen nicht nur die bevölkerungsreichen Staaten wie China und Indien, in denen rund ein Drittel der Weltbevölkerung lebt, sondern auch kleinere Länder wie Indonesien, Südafrika, Rumänien oder Bulgarien. Eines haben diese Länder gemeinsam: höhere Renditechancen, aber auch höhere Volatilität, sowohl bei Aktien als auch bei Renten. Die Emerging Markets überzeugen durch eine gesunde Alterspyramide und ein stark steigendes Bildungsniveau. Das generell niedrigere Verhältnis von Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt gegenüber den Industrieländern stellt ein stabiles und tragfähiges wirtschaftliches Fundament dar. Der Bedarf an Infrastruktur, insbesondere an Straßen, Schulen und Stromversorgung, sowie der Rohstoffreichtum vie-ler Schwellenländer verhelfen diesen zu neuer Wirtschaftskraft. Viel Potenzial schlummert im Konsum. Experten halten es für möglich, dass bis 2030 bis zu zwei Drittel des weltweiten Wirtschaftswachstums aus den Schwellenländern kommen kann. Das durchschnittliche Wachstum in den Emerging Markets liegt aktuell bei vier Prozent, wohingegen die entwickelten Länder mit gerade mal zwei Prozent pro Jahr wachsen.
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